Fäden

Der Weg ist uneben, die pflasterer haben keine gute arbeit geleistet. Aber es ist lange her, dass sie hand angelegt haben. Mittlerweile gilt es als charmant, den weg nicht planer mit steinen belegt zu haben. Es geht hinab in richtung straße, die das anwesen begrenzt. Unter dem torbogen stehend, kann man sich darauf freuen, ihn zu durchschreiten, sicher unter dem gebälk hindurch, um danach das zu genießen, worauf es hinausläuft: die freie sicht, auf das gegenüberliegende gebirge, auf das tal unten. Alles ist vorbereitet auf das erlebnis, die ahs und ohs sind schon geformt, in gedanken, will man doch nicht sein überwältigt-sein so offen und mit lautmalerischer untermalung zeigen. Im modernen städtebau sind torbogen völlig aus der mode gekommen. Wäre es nicht ein schöner anblick, wenn vielerlei bogen sich über straßen spannten und auf verschiedenen ebenen sich verbindungslinien zu büros und wohnungen zögen? Bogennetzwerke, die gebäude miteinander verwebten, innerhalb derer sich vielfältigere soziale fäden spinnen ließen. Nicht ungefährlich, aber spannend.

Struktur

Wenn das lebendige erstarrt ist, sieht man, dass die gegenständliche welt ganz einfach eingerichtet ist. Klare strukturen, wohin man seine augen richtet, selbst beim weißen firnis, mit dem die pflanzen überzogen sind. Das gewusel & gewimmel, das nach dem winter wieder losbricht, verstellt dann den blick darauf, dass wir uns in einem klar gegliederten raum aufhalten, in einem gefüge, das wir als solches nicht wahrnehmen können, weil sich ständig etwas verändert, um uns herum & in uns selbst. Wir werden ständig verwirrt, durch das, was sich uns darbietet. Dabei ist alles ganz einfach. Es gibt nur ein durcheinander wechselnder erscheinung, eine unüberschaubare menge gleich- & gegeneinander laufender prozesse & doch ist klar, dass darin eine struktur liegt, so wie wir die gefrorenen stäbe in ihrer feingliedrigen geformtheit erkennen. & zugleich müssen wir erkennen, dass die struktur selbst wandlungen unterliegt, weshalb man von struktur nur in der mehrzahl sprechen kann – & wenn wir auch annehmen müssen, dass alles wohl geordnet ist, bleibt es doch kompliziert.

Reisen

Natürlich fand er es gar nicht gut, auf diese reise geschickt zu werden. Er hatte diese erkundungstouren satt. Immer bekam man ärger, im schlimmsten fall sogar eines auf die blecherne mütze. & dann hieß es, einen zu finden, der die ritterrüstung wieder ausbeult. Keiner riss sich um diesen job, weil es eine arge plackerei war und man sich auch leicht verletzen konnte, gab es doch nicht nur beulen, die man leicht aushämmern konnte, sondern auch einige ecken und kanten, die sich durch die schläge auf den blechpanzer gebildet hatten, an denen man sich bei der reparatur die haut aufreißen konnte. Ihm war das im grunde eigentlich egal, aber wenn sich einer schwerer verletzte, dann ging nicht nur das geheule der kinder und der frau los, sondern er musste auch noch, weil die meisten in der berufsgenossenschaft waren, ausfallgeld zahlen. Das aber war nicht einmal das übelste. Schlimm war, dass er wieder den metallhaufen schultern musste, um sich einen anderen handwerker zu suchen. Das kostete viel zeit, weil sich ja keiner danach drängelte.

Terrain

Auf hochherrschaftlichem terrain geht es hinunter, im zickzack entlang der weinbergterrassen, wenn man sich zeit nimmt, oder auf dem direkten weg stufe für stufe, was sprungkraft und körperliches geschick beim abfedern erfordert. Wenn man die terrassen hinter sich gelassen hat, bahnt man sich seinen weg durch bäume und büsche, huscht geräuschlos durch die mobile hüttensiedlung, um am ende aller mühen des abstiegs endlich, endlich in einen plastikstuhl zu sinken, der allem anschein nach an eben dieser stelle, dem festungsartigen herrenhaus und dem bunten plastikprovisorium zugleich abgewandt, unverrückbar stehen muss, um jedem, der sich hier einfindet, einen ruheplatz zu bieten, an dem er jenseits von grübeleien über macht und armseligkeit einfach nur ins wasser starren kann, ins wasser, das nie von der stelle kommt.