Spätsommer

Spätsommer, das gras am fluss noch kräftig grün, das laub an den zweigen schon ausgedünnt. der lichtstreifen zeigt an, wohin die sonne bald verschwunden sein wird. Verschleierter moment, der so lange anhält, dass sich die melancholie im ganzen bild ausbreitet, in die steine, die gräser, in jedes einzelne blatt, das jederzeit zu boden sinken kann, in das dunkle krakenförmige geäst, den hellen schimmer auf dem wasser, den baumsaum der aue, in den weissblau fleckigen himmel. & von dort aus ins gemüt des spaziergängers übertritt, wenn er sich nicht in acht nimmt. aber vielleicht will er sich ihr gar nicht entziehen, sondern hat etwas ganz anderes im sinn. Möglicherweise denkt er an strukturen, relationen oder daran, was er am abend essen wird, wenn er vom spaziergang zurückgekehrt ist.

Schwindel

Wenn man hochschaut und sich im kreis dreht, schwindelt einen, den meisten zumindest. & wenn man denn mutig genug ist oder einen erfahrenen begleiter dabei hat, der auch kräftig genug ist, einen aufzufangen, wenn einen der schwindel auf die knie zwingt, dann dreht man sich schneller und immer schneller um die eigene achse & wenn man dann noch mit
glücklicher fügung eine dafür ausreichende drehgeschwindigkeit erreicht, wird man in einem wirbel hinaufgesogen, stößt durch die grüne decke und darüber hinaus, erhascht einen blick über die baumwipfel und wird alsbald gewahr, dass die sogwirkung erlahmt. und es stellt sich ein seltsames gefühl ein, eine art reue darüber, dass man sich hat mitreißen lassen. Denn:„what comes up, must come down“.

Gleichgewicht

Als die ersten in prekärem gleichgewicht errichteten steingebilde aufgetaucht sind, ist das eine oder andere darunter gewesen, das eine vorstellung davon verraten hat, was den erbauer wohl bewogen haben mochte, die gefundenen steine auf diese und keine andere weise anzuordnen. In der folge sind diese exemplare so gut wie verschwunden. Sie sind untergegangen, in dem, was sich rasend schnell wie eine seuche ausgebreitet hat: dem ideenlosen aufschichten von steinen. Wenn man an solchen trostlosen haufen steinerner fundstücke vorbeikommt, ergreift einen unwillkürlich der gedanke, dass sie sich einzig und allein dem impuls verdanken, jedem umsturzversuch trotzen zu wollen. Aber wie heißt es doch so schön, wenn eine idee die massen erfasst, kommt sie im allgemeinen getümmel um.

Naturschönes

Es ist irgendwie in mode gekommen, dem naturschönen keine ruhe zu lassen. Diese überdimensionale spatzenschleuder zum beispiel belegt die emsigkeit, mit der sich leute immer wieder daran machen, hand anzulegen, um dem vorgefundenen etwas hinzuzufügen. am besten etwas, das sich auf den ersten blick abhebt, etwas nach oben strebendes. Es geht nach oben, ist die devise. das ist fest im kopf verankert, auch wenn es am ende aller tage definitiv anders aussieht. aber solange es nicht erreicht ist, wird munter gewerkelt, um die welt mit zeugnissen eigener aktivität auszustatten. Gut, dass die meisten gebilde freizeitlichen gestaltungswillens nur temporäre erscheinungen bleiben, und, jammerschade, dass das meiste dauerhaften wirkens auch nichts mit kunstschönem zu tun hat.